Dankmäler auf Landkarte

Das Rathaus

Beschreibung

Das Posener Rathaus ist zweifellos der schönste Renaissancebau in Großpolen und einer der schönsten in ganz Polen. Die älteste Erwähnung des Rathauses stammt von 1310; der Bau wurde wahrscheinlich wenige Jahre zuvor, an der Wende vom 13. zum 14. Jahrhundert, errichtet. Hiervon zeugt ein im Keller erhaltener Schlußstein mit dem Wappen der Przemysliden-Dynastie (der aus diesem Geschlecht stammende König Wacław II. saß von 1300 bis 1306 auf dem polnischen Thron). Das gotische Rathaus war ein kleines zweistöckiges Gebäude, über dem vermutlich erst Anfang des 16. Jahrhunderts der schlanke Turm errichtet wurde. Mitte des 16. Jahrhunderts wurde das alte Rathaus bei einem Stadtbrand teilweise zerstört, und der aus Lugano stammende italienische Architekt Gianbattista Quadro baute das Rathaus in westliche Richtung aus. Auf diese Weise wurde der einsturzgefährdete gotische Turm gestützt. Bei der Erweiterung bekam das Rathaus seinen neuen Charakter im Renaissancestil, und die Fassade wurde als dreistöckige Loggia gestaltet. Über den Bögen der Arkaden im Erdgeschoß wurden Basreliefs mit  Darstellungen der Tugenden angebracht, denen die Ratsherren der Stadt folgen sollten: Geduld und Umsicht, Liebe und Gerechtigkeit, Glaube und Hoffnung sowie Mut und Mäßigung. Den Fassadenschmuck ergänzen Medaillons mit Gestalten des Altertums (über den Arkaden der Loggia im ersten Stock) sowie Darstellungen der Herrscher der Jagiellonendynastie (über der Arkade im zweiten Stock). Wir sehen von links nach rechts: Jadwiga, Władysław Jagiełło, Władysław Warneńczyk, Kazimierz Jagiellończyk, Jan Olbracht, Aleksander, Sigismund den Alten und Sigismund August. An den Seiten sind Porträts der Piastenherrscher Mieszko I., Bolesław des Tapfere, Przemysł I. und Przemysł II. sowie Władysław Łokietek und Kasimirs des Großen angebracht.

Die übrigen Fassaden sind weniger reich ausgestattet. Auf der Nordwand findet sich eine Aufschrift, die mit den Worten Hoc opus artificis Joannis Baptistae Itali... ("Dies ist ein Werk des Künstlers Gianbattista aus Italien" beginnt. Unter ihm sind Zirkel und Dreieck als Symbole des Architekten zu sehen. Beachtenswert sind auch die Stützmauern, die den Turm an der Nordseite verstärken, sowie die Attika, die auf der Ostseite an eine Verteidigungsmauer mit drei Türmen erinnert. Im mittleren dieser drei Türme befindet sich eine Uhr, über der jeden Tag um 12.00 Uhr zwei sich stoßende Böcklein aus Blech heraustreten. Das erste Uhrwerk wurde schon 1551 installiert. Unter der Uhr befindet sich eine Kartusche mit den Buchstaben S (tanisław) A (ugust) R (ex) - den Initialen des Königs Stanisław August Poniatowski. Der untere Teil des Turms wurde Anfang des 16. Jahrhunderts aus Ziegeln gemauert und ist ein Zeugnis der gotischen Vergangenheit des Rathauses. Der Turmhelm dagegen mit seinem polnischen Wappenadler auf der Spitze (Höhe: 1,8 m, Spannweite: 2 m) stammt aus dem späten 18. Jahrhundert.

Der älteste Teil des Gebäudes sind die frühgotischen Kellerräume, die mit Kreuzrippengewölben gedeckt sind. Der Große Saal - auch Saal der Wiedergeburt genannt - befindet sich im ersten Obergeschoß und ist einer der schönsten Renaissance-Innenräume in Polen. Sein Gewölbe stützt sich auf zwei Pfeiler und ist mit Darstellungen von Tieren, mythologischen und biblischen Gestalten, Sonne, Mond und Planeten geschmückt. Eine der Kassetten der Decke zeigt das Stadtwappen von Posen, zu sehen sind auch die Wappen von Polen und dem Großfürstentum Litauen als konstitutiven Bestandteilen der Adelsrepublik der frühen Neuzeit, sowie von mit Polen verbundenen Königsgeschlechtern. Im benachbarten Königssaal zieht ein mit dem Stadtwappen geschmückter Renaissancekamin die Aufmerksamkeit auf sich. Der Gerichtssaal ist mit einem  Renaissancegewölbe aus der Mitte des 16. Jahrhunderts gedeckt; in ihm steht eine Skulptur des letzten polnischen Königs Stanisław August Poniatowski (unter seiner Herrschaft wurde die Kommission für Gute Ordnung gegründet, die sich der Neuordnung des durch Naturkatastrophen, Epidemien und die langwierigen Kriege des 17. und 18. Jahrhunderts zerstörten Posens widmete. Damals wurde auch das  Rathaus renoviert).

Heute ist das Rathaus der Sitz des Stadthistorischen Museums.

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