Dankmäler auf Landkarte

Ehemaliges Jesuitenkollegium

Beschreibung

Die Jesuiten kamen im 16. Jahrhundert nach Posen und errichteten hier ihr Kloster sowie eine Kirche und eine Schule (Kollegium). Erster Rektor des Kollegiums war der Priester Jan Wujek, der Autor der ältesten polnischen Bibelübersetzung. Die Schule wurde 1573 eröffnet und bot ein hohes  Ausbildungsniveau; der Widerstand der Krakauer Akademie verhinderte jedoch, daß das Kollegium zur  Universität erhoben wurde. Die Jesuiten besaßen eine reichhaltige Bibliothek, seit 1677 hatten sie ihre eigene Druckerei; sie unterhielten auch ein Schultheater. Die Auflösung des Jesuitenordens im Jahre 1773 bedeutete keine  Unterbrechung der Tätigkeit der Schule; seit 1780 existierte sie als Großpolnische Akademie, später bis 1793 als Posener Fakultätsschule. Seit der Auflösung des Jesuitenordens diente das Gebäude als Sitz für verschiedene Verwaltungsbehörden - heute beherbergt es die Stadtverwaltung. Im Herbst 1805 residierte hier Zar Alexander I., ein Jahr später für fast drei Wochen Napoleon I. Von 1815-1830 residierte hier der Statthalter des Großfürstentums Posen, Fürst Antoni Radziwiłł; wahrscheinlich fand in seinem Salon 1828 das Posener Konzert von Frédéric Chopin statt. Im Weißen Saal, der mit einer Büste von Chopin (von Marcin Rożek) geschmückt ist, finden heute Konzerte statt. 

Erster Standort des Jesuitenkollegiums war das ehemalige Krankenhausgebäude, das den Jesuiten anfänglich zur Nutzung überlassen worden war. Die Entwicklung des Kollegiums zwang die Jesuiten jedoch dazu, es weiter auszubauen. Den Bau vertrauten die Jesuiten dem italienischen Architekten Giovanni Catenazzi an; 1701 wurde mit dem Bau des heutigen Gebäudes begonnen. Der Ausbruch des Nordischen Krieges unterbrach jedoch die Bauarbeiten, und erst 1719 wurden die Arbeiten wieder aufgenommen. Hierbei war der Baumeister der Jesuiten, Jan Zelner, beteiligt. Später leitete Franciszek Koźmiński den Bau. Der Hauptflügel des Gebäudes liegt auf der Südseite, die Seitenflügel umrahmen einen trapezförmigen Innenhof, der auf der Nordseite in den Jahren 1748-1752 durch einen zweistöckigen Bau mit Tor abgeschlossen wurde, über dem ein Turm errichtet wurde. Im 19. Jahrhundert wurden auf der Hofseite zwei niedrige Türme angebaut, die Treppenhäuser enthalten, sowie ein Risalit mit einer repräsentativen Treppe, die in den ersten Stock führt. Anfang des 20. Jahrhunderts entstand der Gebäudeteil entlang der Straße Za Bramką. Das mächtige, vierstöckige Gebäude wird von einem Satteldach abgeschlossen. Die Fassade ist - unabhängig von ihrem Entstehungszeitpunkt - einheitlich in barocken bzw. neobarocken Formen gehalten. 1995-1998 wurde der Bau außen und innen gründlich renoviert.

Auf der gegenüberliegenden Seite der ul. Gołębia befindet sich das barocke Gebäude der ehemaligen Jesuitenschule aus der Mitte des 18. Jahrhunderts. Heute ist hier die Staatliche Ballettschule untergebracht. Der mit Arkaden geschmückte Innenhof dient im Sommer als Ort für Konzerte und Theateraufführungen. Früher erinnerten hier Gedenktafeln daran, daß auf der Bühne der Schule das erste professionelle Theater der Stadt unter der Leitung von Wojciech Bogusławski spielte (1783), und daß zuvor hier die älteste nach Maria Magdalena benannte Schule in Posen untergebracht war.  Seit der letzten Renovierung sind diese Tafeln jedoch nicht mehr zu sehen.

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