Kirchen auf Landkarte

Fronleichnamskirche

Beschreibung

Der Ort, an dem sich die Kirche erhebt, ist mit dem wunderbaren Wiederauffinden von zuvor gestohlenen und profanierten Hostien im Jahre 1399 verbunden. Dieses Ereignis wurde ab 1403 als Wunder des Leibs Jesu bezeichnet. Nachdem schon 1399 am Ort des Ereignisses eine hölzerne Kapelle errichtet wurde, stiftete König Władysław Jagiełło 1406 eine Kirche und ein Kloster der beschuhten Karmeliter. Der Bau des steinernen Gotteshauses wurde an der Wende des 15./16. Jh. abgeschlossen; die Kirche hat die Form einer Pseudo-Hallenkirche. Etwa 1570 wurde im Norden eine Kapelle angebaut, die etwa 1726 durch Pompeo Ferrari umgebaut wurde (Kapelle der Muttergottes mit dem Skapulier). Die während der schwedischen Invasion Mitte des 17. Jahrhunderts zerstörte Kirche wurde bis 1664 wieder aufgebaut. Dabei bekamen die Gewölbe des Hauptschiffs und der Giebel des Gotteshauses barocke Formen. An der Wende vom 17./18. Jh. wurde der Turm hinzugefügt, etwas später die Sakristei. Nach der Auflösung des Ordens 1823 geriet die Kirche in Verfall. Gerettet hat sie  eine Renovierung 1856 und ihre kurzzeitige Übernahme durch die Reformierten (1855-75). Seit 1899 ist die Fronleichnamskirche Pfarrkirche.

Der Bau ist gotisch, zum Teil barock, dreischiffig, mit einem vierseitigen Turm am Rande des Nordschiffs. Den Eingang zur Kirche bilden gotische Portale mit Einfassungen aus glasierten Ziegeln. Hohe spitzbogige Fenster erhellen das Innere; die Glasfenster zeigen Szenen aus der Bibel und Heiligensilhouetten. Der Chorraum ist mit einem Kreuzrippengewölbe gedeckt, das Hauptschiff mit einem Tonnengewölbe mit Stichkappen; dieses ist mit barocken Wandmalereien aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts verziert. In den Seitenschiffen findet man noch die ursprünglichen Sterngewölbe aus dem 15. Jahrhundert.

Der Hauptaltar kommt von ungefähr 1740; das Zentralbild zeigt das Abendmahl, am Gipfel eine Figur des Gottvaters, an der Seite Skulpturen von Aaron, Moses sowie der Heiligen Telesphorus und Gregors des Großen. An den Seitenwänden des Chorraums Porträts des Stifterkönigs Władysław Jagiełło und seiner Gemahlin, der Hl. Jadwiga (um 1665), und an seinem Rand vier Sargporträts und 15 Wappentafeln von Geschlechtern des großpolnischen Adels aus dem 17. Jahrhundert.

An den Chorraum schließt die Kapelle der Muttergottes mit dem Skapulier an, umgebaut um 1726, mit einer spätbarocken Polychromie, die erst 1958 wiederentdeckt wurde. Die Kapelle enthält drei spätbarocke Altäre: im Hauptaltar von 1726 das Bild der Muttergottes mit dem Skapulier in Silberkleidern aus dem 18. Jahrhundert, auf den  Seitenaltären links ein Bild der Hl. Theresa von Lisieux (1725) und rechts eine  Vision des Hl. Andrea Corsini (den der Orden als Schutzpatron von Posen ansieht) von etwa 1746. Die Kapelle schließt eine Orgelempore  mit einer Balustrade ab, die durch ein durchbrochenes Gitter gekrönt ist.

In der Vierung eine im eklektischen gehaltene Kanzel von 1950. Inmitten des Hauptschiffs befand sich einst der kleine Brunnen, in den nach der Legende die profanierten Hostien hätten geworfen werden sollen. Heute ist an dieser  Stelle unter den Arkaden der neobarocken Mensa des ehemaligen Altars eine Skulptur mit Juden, die die Hostien in den Brunnen werfen. Im Westen wird das Hauptschiff durch eine barocke Musikempore von 1657-64 abgeschlossen. Ihre Brüstung ist mit einem Bild der Gottesmutter und von acht heiligen Karmeliterinnen geschmückt.

Im Erdgeschoß des Turms (am Rande des Nordschiffs) die Heiligkreuzkapelle aus der Mitte des 18. Jahrhunderts mit einer skulptierten Kreuzigungsgruppe.

In den Seitenschiffen drei Altäre mit Bildern: der Muttergottes der Unablässigen Hilfe und des Hl. Stanisław Kostka, ein Pilger zu Füßen Christi (nach Piotr Stachiewicz) sowie die Hl. Theresa von Lisieux und die Vision des Hl. Antonius von Padua. Weiter reich verzierte Beichtstühle aus den Jahren 1730-40, deren Bűckenlehnen, Türen und Bekrönungen mit Ausmalungen geschmückt sind.  Weiter beachtenswert sind ein gotischer Kragstein aus dem 15. Jahrhundert mit dem Wappen des Geschlechts derer von Anjou (2001 entdeckt) sowie drei Täfelchen, die das Niveau des Hochwassers bei den großen Überschwemmungen der Jahre 1698, 1736 und 1888 anzeigen.

Eine der wertvollsten Goldschmiedearbeiten dieser Kirche ist die im Kirchenschatz aufbewahrte Turmmonstranz von etwa 1400. Sie ist am Sockel mit den Wappen des Königreiches Polen (Adler) und des Großfürstentums Litauen (Reitpferd) geschmückt und wurde von Władysław Jagiełło gestiftet. Jahrhundertelang diente sie als Reliquiar für die drei wundertätigen Hostien, heute gilt sie als ältestes erhaltenes liturgisches Gefäß in Polen.

An der Außenwand der Kirche befindet sich an der Wand der Kapelle der Muttergottes mit dem Skapulier eine Anbauloggia mit Arkaden und einem Lapidarium von Grabplastiken. Etwas weiter an der Nordseite steht auf einem hohen Sockel eine spätbarocke Steinskulptur des Propheten Elias mit brennendem Schwert (2. Hälfte 18. Jh.) sowie ein Barockportal nach einem Entwurf von G. Catenazzi von Anfang des 18. Jahrhunderts, das auch das Blaue Portal genannt wird. An der Nordseite grenzt die Vierflügelanlage des Klosters an die Kirche.

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