Dankmäler auf Landkarte

Kaiserschloß und ehemaliges Schloßviertel

Beschreibung

Die Posener Residenz des deutschen Kaisers Wilhelms II. entstand 1905-10 nach einem Entwurf von Franz Schwechten. Sie war die letzte Kaiserresidenz, die in Europa entstand. Als Vorbild für den Bau dienten mittelalterliche Kaiserpfalzen - der Bau sollte die deutsche Herrschaft in  Großpolen symbolisieren. Mit der Entstehung des Schlosses ist eine Legende verbunden. Als 1905 mit den Bauarbeiten begonnen wurde, stand ständig eine Menge von Schaulustigen am Rand der Baustelle. Der deutsche Bürgermeister beobachtete mit Verwunderung einen polnischen Bauern aus dem Vorort Górczyn, der Tag für Tag auf die Baustelle kam und die Bauarbeiter anspornte, schneller zu arbeiten. Als ihn der Bürgermeister fragte, warum er als Pole so sehr am schnellen Entstehen des deutschen Schlosses interessiert sei, antwortete der Bauer: Denn es gibt eine Prophezeihung, daß sobald ein Kaiserschloß in Posen steht, Polen auferstehen wird. So kam es in der Tat: kurz nach der Fertigstellung brach der 1. Weltkrieg aus, und an seinem Ende erlangte Polen seine Unabhängigkeit zurück.

Das Kaiserschloß bildete den architektonischen Hauptakzent des sog. Schloßviertels. Es entstand an der Stelle der abgerissenen Bastionen der Polygonalfestung. Anfang des 20. Jahrhunderts entwickelte der herausragende deutsche Stadtplaner Prof. Joseph Stübben eine repräsentative Ringstraße für Posen (heute die Straßen al. Niepodległości und al. Królowej Jadwigi). Wie in Wien oder Krakau sollte diese Ringstraße einschließlich der anliegenden Parks und Grünanlagen auch als Promenade dienen. An der Stelle des einstigen Forts Tietzen zwischen Königs- und Berliner Tor entstand ein großer Stadtpark (heute Mickiewicz-Park), der von repräsentativen Bauten gesäumt war. Außer dem neoromanischen Schloß gehörten zum sog. Kaiserforum auch die im Neorenaissancestil gehaltene Königliche Akademie (heute Collegium Minus der Posener Universität) und das neoklassizistische Stadttheater (heute Opernhaus).

Kaiser Wilhelm II. war in Posen nur dreimal zu Gast. Als nach dem 1. Weltkrieg Polen seine Unabhängigkeit wiedererlangte, wurde das Schloß zum Sitz der Posener Universität und zur Residenz der polnischen Staatspräsidenten, wenn sie sich in Posen aufhielten. Im 2. Weltkrieg baute Albert Speer den Palast als Residenz für Hitler um - erhalten ist davon das Arbeitszimmer, das eine Kopie des Berliner Arbeitszimmers des "Führers" war, sowie ein eigens für dieses an den Turm angebauter Balkon. Auch ein repräsentativer Eingang von der ul. Święty Marcin wurde hinzugefügt. 1945 wurde das Schloß zerstört, und es wurde darüber diskutiert, es abzureißen. Beim Wiederaufbau wurde auf die Reproduktion vieler  Elemente der Innenausstattung verzichtet; auch der bei den Kämpfen beschädigte Turm wurde nicht in voller Höhe wiedererrichtet. Die Renovierungsarbeiten sind weiter im  Gang; auch der Schloßgarten, in dem sich ein Denkmal für die Opfer von Katyń befindet, wurde erneuert. Im Rosenhof, der an den Schloßgarten angrenzt, kann man den Löwenbrunnen bewundern. Er ist nach dem Vorbild des Löwenbrunnens in der Alhambra zu Granada gestaltet. Im Sommer dienen die Innenhöfe des Schlosses als Ort für verschiedene Kulturveranstaltungen.

Gegenwärtig befinden sich im Schloß das gleichnamige Kulturzentrum, das Pantomimentheater und das Museum des Posener Arbeiteraufstands von 1956.

Siehe auch andere Orte

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