Dankmäler auf Landkarte

Ehemaliges Königsschloß

Beschreibung

In der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts ließ Fürst Przemysł I. sich auf einem Hügel, der um einige Meter höher lag als das Niveau des Altmarktes, einen Palast bauen. Sein Sohn Przemysł II. - der spätere polnische König - baute den Palast aus in der Absicht, ihn schon bald zum Königsschloß zu erheben. Auch der tragische Tod des Königs 1296 unterbrach die Bauarbeiten nicht; abgeschlossen wurde der Bau höchstwahrscheinlich unter Kasimir dem Großen (1333-1370). Damals war es das größte weltliche Gebäude in Polen. Es bestand aus einem Wohnturm und einem Gebäude auf einem Grundriß von 63x17,5 m und mindestens 9 m Höhe sowie einem Wehrturm.

Im Laufe der Jahrhunderte wurde das Königsschloß immer wieder zerstört und umgebaut. Der gotische Bau brannte beim großen Stadtbrand von 1536 ab. Der damalige Statthalter Andrzej Górka baute ihn im Renaissancestil wieder auf. Die nächsten Zerstörungen brachten der polnisch-schwedische Krieg Mitte des 17. sowie der Nordische Krieg Anfang des 18. Jahrhunderts. Die zerstörten  Räume wurden kurz nach Kriegsende 1721 zum Teil wieder aufgebaut, aber seit dieser Zeit war das Schloß mehr Ruine als nutzbares Gebäude. Kazimierz Raczyński, der letzte Generalstatthalter von Großpolen, ließ auf dem Przemysł-Hügel 1783 ein Archivgebäude errichten. Der Entwurf, der teilweise die Fundamente und Mauern des Südflügels des ehemaligen Schlosses nutzte, stammte von Antoni Höhne. Später wurde noch ein Hinterhaus angebaut. Nach der 2. Teilung Polens war in diesem Gebäude das preußische Regierungspräsidium untergebracht, später das Berufungsgericht, und ab 1885 das Staatsarchiv. 1945 erlitt die Bebauung des Przemysł-Hügels schwere Kriegsschäden. Beim Wiederaufbau in den Jahren 1959-64 wurde nur das von K. Raczyński errichtete Gebäude wiederhergestellt.

Seit den Zeiten von König Władysław Łokietek (1320-33) war das Schloß, das gewöhnlich als Residenz der Statthalter von Großpolen diente, auch Residenz der polnischen Könige, wenn sie sich in Posen aufhielten. Gerne hielten sich hier Kasimir der Große, Władysław Jagiełło (1386-1434) und Kasimir Jagiellończyk (1447-1492) auf. Fast ein Jahr lang lebte hier König Jan Olbracht, der 1493 auf dem Posener Schloß die Huldigung des Großmeisters des Kreuzritterordens Hans von Tiffen entgegennahm. Auch Häupter anderer Monarchien waren auf dem Posener Schloß zu Gast, z.B. der böhmische König Johann von Luxemburg und der König von Dänemark, Schweden und Norwegen, Erik I. 1341 heiratete hier Kasimir der Große die hessische Fürstin Adelheid, 1343 verheiratete er hier seine Tochter Elżbieta mit dem Stettiner Fürsten Bogusław V., und 1433 heiratete in Posen die Nichte von Władysław Jagiełło, Maria, den Stolper Fürsten Bogusław X. 1513 brachte Königin Barbara Zapolya während des mehrmonatigen Aufenthalts ihres Mannes, des Königs Sigismund des Älteren, in Posen ihre Tochter Jadwiga zur Welt.

Interessant am Rande ist, daß in den Jahren 1398-1400 Przecław Słota als Burggraf von Posen diente. Er wurde bekannt durch das Gedicht Wiersz o chlebowym stole (Gedicht über den Eßtisch) (bekannter als Wiersz o zachowaniu się przy stole [Gedicht über das Verhalten bei Tisch] ), des ältesten weltlichen Gedichts in polnischer Sprache.

Heute ist das einzige Überbleibsel des Schlosses auf dem Przemysł-Hügel das Gebäude aus dem 18. Jahrhundert, das von einem hohen Mansard-Walmdach gekrönt ist. Im Keller und im Erdgeschoß sind Räume mit Tonnengewölben und Stichkappen erhalten, die noch aus dem mittelalterlichen Bau stammen. An  der Außenwand im Nordwesten ist ein Fragment der Stadtmauer von Ende des 13. Jahrhunderts zu sehen (gut zu sehen vom pl. Wielkopolski aus). Am Eingang hängt eine Gedenktafel zur Erinnerung an den  Wiederaufbau des Gebäudes durch K. Raczyński (1783); zwei moderne Tafeln erinnern an das 700-jährige Jubiläum der Krönung von Przemysł II (1996) und den 500. Jahrestag der Huldigung des Ordensgroßmeisters (1993).

Heute ist im ehemaligen Königsschloß das Kunstgewerbemuseum untergebracht. Die Räume, die das Museum nutzt, erinnern jedoch nicht an einen  Repräsentations- oder Verteidigungsbau, wie es das Posener Königsschloß einst war. Arbeiten an der Wiedererrichtung des gesamten Schlosses sind im Gang. 2002 entstand ein Bürgerkomiteee für den Wiederaufbau des Königsschlosses in Posen, und ein Jahr darauf wurde ein Architekturwettbewerb um den Wiederaufbau des Schlosses entschieden. Ausgezeichnet wurde ein Entwurf des Teams des Architekturbüros Witold Milewski. Er knüpft an das historische Erbe des 16. Jahrhunderts an und wurde mit Kennern der  Vergangenheit von Posen abgesprochen. Neben dem Bürgerkomitee werden das Marschallamt der Wojewodschaft und die  Stadtverwaltung Mittel für den Wiederaufbau bereitstellen.

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